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Ulysses Belz


German, born 1958 in Mainz, lives and works in Aufsess (Bavaria) and Paris



Ausstellung METAKOGNITIVE MALEREI





KURS AUF NEUE RÄUME


(ein Text von Dr. Markus Braun-Falco)


Die Malerei als traditionelle Schnittstelle zwischen äußerem Sehen und innerer Wahrnehmung erfährt aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Bewusstseins- und Hirnforschung zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine neue gesellschaftliche und ästhetische Positionierung. Mentale Prozesse, welche abstakte Begrifflichkeiten unseres menschlichen Daseins umspannen wie Bewusstsein, Wahrnehmung, Sprache und Gefühle, aber auch Intelligenz, Stimmungslage, Motivation und Konzentration, ursprünglich als nicht-materialisierbare und nicht-konkretisierbare geistige Abläufe angesehen, erhalten zunehmend eine auf molekularer und genetischer Ebene basierende Definierbarkeit.


Ulysses Belz nähert sich von künstlerischer Seite dieser herausfordernden und komplexen Fragestellung der Visualisierbarkeit mentaler Prozesse. In einer intensiven und langjährigen Auseinandersetzung mit kognitiven Neurowissenschaften gelang ihm die Entwicklung einer malerischen Ausdrucksweise, welche er selbst als „metakognitive Malerei“ bezeichnet.


Metakognition, ein in den 70-ger Jahren des letzten Jahrhunderts von dem Psychologen John H. Flavell und dem Physiologen Henry M. Wellman geprägter Begriff umfasst die Auseinandersetzung mit den eigenen Wahrnehmungsprozessen, also das Wissen um das eigene Wissen.1 Für Ulysses Belz ist es das plastische Interesse an Prozessen, die Geschehenes und Erinnertes abspeichern, filtern und abrufen. Aus dem Blickwinkel der Selbstwahrnehmung entstehen Kompositionen, die eine Figuration jenseits der Figuration sichtbar machen. In Arbeiten wie "Zusatzbett", "Hotelzimmer Wien" oder "Archiv", welche noch eine im weitesten Sinne existentialistische Sensibilität in Verehrung gegenüber Francis Bacon verkörpern, keimt bereits die Initialphase der Auseinandersetzung mit der eigenen Erinnerung auf, deren Prozesshaftigkeit in „Tageslicht“ bereits als vollständiges All Over umgesetzt ist.

Ein markanter Entwicklungsschritt ist „Selbstbildnis den Himmel betrachtend“. Obwohl im Titel als Selbstbildnis propagiert hat es nichts von individueller Selbstproklamation, sondern wirkt vielmehr als eine kosmologische Spekulation. Die Mouches volantes, jene sich mit der Blickrichtung huschend im Gesichtsfeld verschiebende faden- oder punktförmigen Strukturen, welche von fast jedem Menschen als entoptische Erscheinung wahrgenommen werden, schließen beim Blick des Malers in den Himmel das biomorphe Signet seiner Existenz mit ein. Als Selbstbildnis ist es ein Nachkomme jener sich selbst zeichnenden, kopflosen Figur im Sinne der Mach’schen Décapité,2 wobei hier nicht nur die klassische Spiegeloptik des Selbstbildnisses umgangen, sondern gleichzeitig die Frage nach der inneren Generierung unserer Außenwelt gestellt wird.

Auf Bildern wie „Geduld“ oder „Zeitplan“ findet sich trotz genauer korpuskulärer Festlegung, keine Spur von figurativer Wiederkehr. Gleichsam sind fundamentale Konzepte der Abstraktion weitgehend entfernt. Diese, mehr noch „Reaktion auf ein Klingeln“, „Wespen“ oder „Danke Mutter“ geben Beispiel, wie der Betrachter das vor ihm liegende Strukturmuster neuronal nachvollziehen muss, um die Schlüssigkeit zwischen Bildgeschehen und Titel auf nicht rationalem Wege nachempfinden zu können. Dabei mag der Titel noch eine konkretisierbare bildliche Vorstellung im persönlichen Erinnerungsvermögen eines jeden Betrachters evozieren, was in der Serie „Neue Zentren“ weitest verloren geht. Hier zeigen sich loop-artige Signalmuster, die auf einen konkreten Momentzustand der sinnlichen Befindlichkeit eines Individuums hindeuten; oder sind es vielleicht sogar universelle Aktivierungsmuster jeweils charakteristisch für eine spezifische Sinnesempfindung?

Um in Beziehung zu Ulysses Belz Bildern zu treten, muss der Betrachter den bildnerischen Vorschlag zu einer inneren Gegebenheit mit seinen eigenen Erfahrungen vergleichen. Es ist eine wortlose Kommunikation, in der nach gemeinsamen Erregungsmustern bildnerisch gefahndet wird. Nach Ulysses Belz ist ein Bild „ein mental object, das im Bereich neuronaler Zusammenhänge entsteht und sich nur in der Dynamik bislang ungekannten geistiger Algorithmen bewähren kann. Malerei kann keine Aussagen zur Außenwelt machen ohne sich über sich selbst zu täuschen.“

Ulysses Belz metakognitive Malerei artikuliert eine neuronale Ästhetik, eine künstlerische Formalisierung der absoluten Unmittelbarkeit, die sich an das Sublime der zeitgenössischen Kunst von einer neuartigen Perspektive her nähert.

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1 Flavell, J. H., Wellman, Henry M.: Metamemory. In: Kail, R.V., Hagen J.W. (Hrsg.): Perspectives on the development of memory and cognition. Hillsdale, N.J. 1977: S. 3 – 33

2 Ernst Mach: Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen. 1. Aufl. Jena 1886.


Ausstellung TRANSMITTER





Worin liegt die Essenz der Kunst? Eine jahrhundertealte Frage, deren Beantwortung stets den Einflüssen des aktuellen Zeitgeschehens auf der einen und dem historischen Wandel auf der anderen Seite unterliegt und momentan auf mannigfaltige Weise changierend zwischen Figuration und Abstrakte angegangen wird. Doch geht es unabhängig von Umsetzung und  Ergebnis nicht initial um Gedanken.

Kognition ist das Thema, welches Ulysses Belz beschäftigt – die mentalen Prozesse, welche abstakte Begrifflichkeiten unseres menschlichen Daseins umspannen wie Bewusstsein, Wahrnehmung, Sprache und Gefühle, aber auch Intelligenz, Stimmungslage, Motivation und Konzentration, sowie deren Interaktion und Vernetzung. Hat man in den Anfängen der Kognitionswissenschaften noch eine Unterscheidung zwischen Geist und Gehirn konstituiert analog zu Software und Hardware bei Computern, so haben die jüngsten Ergebnisse der kognitiven Neurowissenschaften deren Nichttrennbarkeit klar belegt. TRANSMITTER  kann im neurowissenschaftlichen Bereich als Botenstoff angesehen werden, der einen Impuls an einer Synapse von einer zur nächsten Nervenzelle weiterleitet - ein Vorgang, welcher bildlich durchaus darstellbar ist. In ihrer Gesamtheit regulieren Transmitter die dynamischen Ströme komplexer neurogener Netzwerke, welche pro Zeiteinheit eine Momentaufnahme der sinnlichen Befindlichkeit eines Individuums widerspiegeln können. Hier bleibt die wissenschaftliche Darstellbarkeit dieser nicht-materialisierbaren und nicht-konkretisierbaren Prozesshaftigkeit fraglich und ungeklärt. Sich von künstlerischer Seite dieser Herausforderung stellend, entwickelt Ulysses Belz in seinen aktuellen Bildern einen gedanklichen Ansatz um zu einer Malerei zu gelangen, die er selbst als „metakognitiv“ beizeichnet.



Where shell one find the essence of art? A century-lasting still open question that can only be answered under the influence of the current global affairs on one side and its contextualization within historical perspectives on the other side. Nowadays manifold answers are given, which oscillate between figuration and abstraction. Irrespectively of the translation and result of a given answer, is the theme not initially focused on one’s mind.

Cognition is the theme that Ulysses Belz is working on – the mental processes that encompasses non-concrete terminologies of human existence such as consciousness, apperception, speech, emotion, and also intelligence, mood, motivation and mental concentration as well as their interaction and cross-linkage. Although a distinction has been made at the very early evolvement of cognitive science between mind and brain analogous to software and hardware of a computer, recent developments of cognitive neuroscience testified their non-separability. TRANSMITTER can be understood in a neuroscientific context as a chemical or electrical messenger that forwards an impulse from one to the following nerve within a synapse – a transaction that can be visually illustrated quiet understandable. At their entirety, transmitters regulate dynamic streams within complex neurogenic networks, which per time unit may reflect a snapshot of the sensual orientation of an individual. Here, a scientific illustration of this non-material and non-concrete processes is questionable and remains uncertain.

Focussing this challenge from an artistic point of view, Ulysses Belz developed in his most recent works a notional approach of achieving a type of painting that he calls himself “meta-cognitive”.


Selected solo exhibitions

2009     mbf-kunstprojekte, München

2008     Kunsthandel Senger, Bamberg

2007    mbf-kunstprojekte, Freiburg

2005    Galerie Gunzenhauser, Munich, at 50th Fine Art Fair Munich

2003    Galerie Gunzenhauser, Munich

2002    AMM / Museum of International Art, Riga / Lettonia

1999    Circulo de Bellas Artes, Madrid

1999    Galerie ARTCO, Leipzig

1997    Galerie Seiquer, Madrid



Recent group shows

2007    „Leve de Schilderkunst“ 27.1.-31.3.2007,

             Kunsthal Rotterdam / Pays Bas

             (...with  Wilhelm Sasnal, Luc Tuymans, Jenny Saville, Marlene Dumas, etc.)

2006    „Malerei der Gegenwart“ 14.10.06.11.2.07

             Museum Franz Gertsch, Burgdorf / Switzerland

2006    „Zurück zur Figur“ 2.8.-14.10.2006

              HYPO Art Foundation, Munich / Germany

             (...with Neo Rauch, Lucian Freud, George Condo, Anton Henning, etc)

2003    „Open Future“ 4.9.-22.9.2003, Council of Munich

2000    „Zeitwende“ 4.7.-11.7.2000

             ART Frankfurt, Galerie Druck & Buch, Tübingen



Public collections

Lenbachhaus / Städtische Galerie,  Munich

Collection Deutsche Bank, Frankfurt

Collection Klewan, Munich / Vienna / London

Museum Gunzenhauser, Chemnitz

Academy  of Fine Arts, Vienna / Austria

State Collections of Graphic Arts, Coburg (Germany)

State Library of Niedersachsen, Hannover

State Library of Baden-Württemberg, Stuttgart



Catalogues

„Metakognitive Malerei“, mbf-kunstprojekte, Freiburg/München 2008

Einleitung Markus Braun-Falco

„LEVE DE SCHILDERKUNST“, Kunsthal Rofferdam 2007 by Jannet de Goede, Wim Pijbes, Hans den Hartog Jager

"MALEREI DER GEGENWART",  Kunsthalle der HYPO-Kulturstiftung Munich, by Robert Fleck, Christiane Lange, Florian Matzner etc. Munich 2006

OPEN ART 2005, Munich, by Dorothea Schick

OPEN ART 2003, Munich, by Dorothea Schick

AMM Musée d'Art International, Riga / Latvia 2002

"Imágenes electrónicas y pintura" Circulo de Bellas Artes, Madrid 1999

Galerie Seiquer, Madrid 1996/97

Galerie Seiquer, Madrid 1995

Goethe-Institut, Athens 1987




Additional information are available on the artist's website at http://www.ulysses-belz.com/.