Virginia Glasmacher
German, lives and works in Freiburg, Germany
Rosa Klänge, Krapplack und Zimtblau.
Virginia Glasmachers Farbwelten.
von Bettina Beckert
in: Ausstellungskatalog Virginia Glasmacher, Galerie Vömel, Düsseldorf, 12.11. bis 31.12.2008
Pudrig leicht, wie feiner Nebel, der sich über eine Herbstlandschaft legt, senkt sich eine helle Farbschicht von oben in den Bildraum hinunter. Sie changiert von blässlichem Grün über Weiß zu feinsten rosa Klängen. Eine kontrastreiche dunkle Partie, die sich hinter verführerischem Pink versteckt, fängt die helle Schicht auf, scheint sie zu sammeln und geht dann langsam über in Schichten warmer Erdtöne, die von hellen und grauen Partien durchwebt werden. Sie kulminiert in der rechten unteren Ecke als glühendes Rot, ein vorläufiger Höhepunkt, bevor das Auge des Betrachters wieder zurück wandert und unzählige Details entdeckt.
Farbe in all ihren Erscheinungsformen ist Ausgangspunkt von Virginia Glasmachers Bildwelten. Aus ihr heraus schafft sie durch die Verbindung verschiedenster malerischer Sprachen Werke, die sich im Spannungsfeld zwischen Kalkül und Zufall bewegen. Der Malprozess ist bestimmt von einem sehr bewussten Umgang mit den künstlerischen Parametern wie Bildgrund, Farbtöne und Malweise. Zuerst legt sie mit einem Farbverlauf einen Bildgrund an und setzt anschließend darauf mit einem Spachtel Strukturen. Dieser zweite Arbeitsschritt ist geprägt durch einen andauernden Dialog und ist ein Wechselspiel zwischen malerischer Intervention und Zufall. Virginia Glasmacher akzentuiert und verwebt Farben und Formen durch Lasuren und feine Farbverläufe in Nass-in-Nasstechnik. Sie trägt die Farbe mal mit einem Spachtel mit vollem Körpereinsatz auf, mal in meditativer Haltung, die sich dem Detail widmet. Stellenweise legt sie die Leinwand auf den Boden, um alle vier Bildseiten gleichwertig behandeln zu können. Dies erfordert ein langsames Arbeiten – immer wieder überprüft die Künstlerin das Verhältnis von Struktur und Fläche sowie die Wirkung der Farbklänge und übermalt, erhöht und verändert.
In den Titeln der Werke wie „Verhaltenes Rot“, „Licht und Schatten, Krapplack“ oder Zimtblau bringt Glasmacher zusätzlich die Bedeutung der Farbe zum Ausdruck. Sie begibt sich in ihren Werken auf einen Weg des Forschens, Suchens und Herantastens an die unterschiedlichen Eigenschaften der Farbe und ihren Dialog im Mit- und Nebeneinander. So dekliniert sie Farben, untersucht ihre Tiefenwirkung, Transparenz und ihre Energie. Dabei bevorzugt sie eine kräftige Farbpalette, sie schwelgt in satten Tönen, wie tiefem Rot, leuchtendem Blau und sattem Orange.
In Werken wie „Hommage an Monet – Gelb“ stellt sie ihr Werk in die Diskussion mit einem der großen Koloristen des 19. Jahrhunderts. Weitere wichtige 'geistige Väter' sind Pierre Bonnard, Nicolas de Staël und Mark Rothko, dessen Farbfeldmalerei eine hohe emotionale Intensität besitzt. Auch Gotthard Graubners „Farbraumkörper“ und Hubert Scheibls großformatige abstrahierte Landschaften sind Inspirationsquellen.
Die Künstlerin eröffnet neue Welten für den Betrachter, der sich in der spannungsreichen Farblandschaft auf einen eigenen Weg begibt, der überraschende Gefühle, Neues wie auch Vertrautes mit sich bringt. Mit den gestalterischen Mitteln des Gegensatzes wie dem Hell-Dunkel Kontrast oder dem Dialog von warmen und kalten Farben im Zusammenspiel mit den unterschiedlichsten Arten von Farbauftrag gelingt ihr eine konzentrierte Aussage. Das Ausbalancieren von gegensätzlichen Kräften und auch deren Gegenüberstellung ist in inhaltlich wie formaler Hinsicht Leitmotiv ihres Werks. Durch den dynamischen Aufbau der Werke, die sich manchmal wie ein malerischer Organismus, der zu atmen scheint, öffnen, ahnt der Betrachter geologische Strukturen, Naturformen und Naturphänomene. Das Mimetische liegt Glasmacher fern, sie setzt die Nähe zur Natur gekonnt ein, obgleich sie sich inspirieren lässt von Aufnahmen aus dem Weltall, ebenso wie von Strukturen der Natur aber auch von Filmen und Kunst. Ihre Seherfahrung bildet den Initialreiz für den malerischen Prozess, sie überträgt diese in ihre Farbwelten. Glasmachers kreativer Motor ist die Sehnsucht nach dem Licht, das Farben hervorbringt und leuchten lässt und ohne das Leben und Natur nicht möglich sind.
„Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit erkennen lässt“ (Pablo Picasso).
Virginia Glasmachers Gemälde faszinieren durch ihre Leichtigkeit, Emotionen und Assoziationen zu wecken und den Betrachter an ihrer Welt und ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen. Sie sind der Weg und das Ziel zugleich.
Vita
1969 geboren in Richmond Virginia, USA
born in Richmond, Virginia, USA
1989-93 Studium der Malerei und Semiotik, Brown University, Providence, Rhode Island, USA und New York University, New York, NY, USA,
Visual Arts and Semiotic, Brown University, Providence, Rhode Island, USA and New York University, New York, NY, USA
1992 Gasthörer, Hochschule der Künste, Berlin
Visiting student, University of Fine Arts, Berlin
2001 Malereiklasse der Zhou Brothers, Sommerakademie, Kunsthochschule Salzburg, Österreich
painting class of Zhou Brothers, Summer Academy, Art School Salzburg, Austria
Einzelausstellungen / Solo exhibitions
2010 mbf-kunstprojekte, München
2008 Galerie Vömel, Düsseldorf (catalogue)
2007 Goldberg Studios, München
2006 Die Küche, Ludwigstr. 6, München
2005 Farbe-Bewegung, Galerie Thomas, München
2003 Galerie Vömel, Düsseldorf
2001 Goldberg Studios, München
2000 Lofts, München
1999 Wilkinson & Associates, München
Goldberg Studios, München
1998 Hanna und Axel Merk, München
Gruppenausstellungen (Auswahl) / selected group exhibitions
2009
Art Karlsruhe, mit Galerie Vömel, Karlsruhe
2008
Art Karlsruhe, mit Galerie Vömel, Karlsruhe
2007
Art Karlsruhe, mit Galerie Vömel, Karlsruhe
Cologne Fine Art, mit Galerie Vömel, Köln
2006
Mitglieder stellen aus, BBK, München
2005
Art Karlsruhe, mit Galerie Vömel, Karlsruhe
40 Jahre Galerie Thomas, Galerie Thomas, München
Art Basel, mit Galerie Thomas, Basel, Schweiz
2004
Art Karlsruhe, mit Galerie Vömel, Karlsruhe
Art Basel, mit Galerie Thomas, Basel, Schweiz
Art Cologne, mit Galerie Thomas, Köln
2003
Art Cologne, mit Galerie Thomas, Köln
2002
Nur Farbe, Galerie Thomas, München
Die Zentrale, München
Art Cologne, mit Galerie Thomas, Köln
2000
Galerie Art Transfer, München
Art Cologne, mit Galerie Thomas, Köln