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Mario Klinger lebt und arbeitet in München Ausstellung 2010 SATORI ROOM Satori Room[1] bezeichnet einen (undefinierten) Raum der Erkenntnismöglichkeit. Dieser kann als Buch, als Ausstellungsinstallation und in unseren Köpfen existieren und umschreibt das wechselseitige Verhältnis zwischen der inneren Welt der vertrauten kognitiven Wahrnehmung (des Figurativen) sowie der äußeren Welt des unbekannten materiellen Seins (des Abstrakten). Dazwischen liegt ein scheinbar unüberwindbarer Graben, den wir uns maßgeblich mittels Licht in visuellen „Metaphern“ erschließen können.[2] Der Mensch ist ein Hochleistungsscanner, der stets bestrebt ist die wahrgenommenen Reize in eine für ihn verständliche Sphäre zu übersetzen. Text, Bild und Sprache bilden dabei als komplexes und interdependentes Zeichensystem den deskriptiven Rahmen. Die Ausstellungskonzeption von Satori Room geht maßgeblich auf die Entstehungsgeschichte des gleichnamigen Künstlerbuchs (2009) ein. Dieses umfasst die drei Aphorismen Unendliches Morgengrauen, Sein und Die erhabene Pforte, die einerseits den Inhaltsraum umschreiben als auch namensgebend für die einzelnen Werke der fotografischen Serie (2007-2009) sind. In ihrer Gesamtheit entlarven sie unsere Lebenswelt als einen von Konventionen eng begrenzten Raum und öffnen ihn durch die Transformation und Koexistenz mit seinem abstrakten Eigenleben – terra incognita. Diese Intention lässt sich bereits in Werken aufzeigen, welche zeitlich vor der Publikation Satori Room entstanden (2006-2007), und diese in ihrer Entstehung als Prototypen formal wie inhaltlich vorbereiteten. Satori Room (2007-2009) ![]() ![]() Unendliches Morgengrauen I-III sind unbelebte 'sublime' Landschaften, Zeugnisse eines nebulösen Schleiers, der uns die Sicht auf die unendlichen Ausmaße der Natur als univerale Größe verstellt und stehen damit in einer Traditionslinie mit den Landschaften Caspar David Friedrichs. Sie verbindet die Weite und Erhabenheit, wenngleich sie nicht der romantisierenden Verklärung einer idealisierten Vorstellung von Natur unterliegen, sondern durch direkte physische Wechselwirkung mit ihr entstanden. ![]() Die Werke Sein I-III gehen auf fotografische Aufnahmen der Sonne zurück. Ihr äußeres Erscheinungsbild wurde durch unterschiedliche optische Medien (Luft, Wasser, Linsen etc.) verfremdet, um die mimetischen Konventionen der Kamera zu überwinden und zu einem neuen 'Wahrnehmungsapparat' zu gelangen. Die dadurch auftauchende Vielzahl an existierenden Realitäten übersteigt unsere Vorstellungskraft bei Weitem. Wer sie ignoriert, verschließt seine Augen vor der wahren Tiefe der Natur und folgt blind dem Kult des technischen Raffinenemt. Barnett Newman schrieb bereits in seinem paradigmatischen Aufsatz The Sublime Now (1948): We are creating images whose reality is self-evident and which are devoid of the props and crutches that evoke associations with outmoded images, both sublime and beatiful.[3] Die 'Selbst-Evidenz' oder das Eigenleben, welches Barnett Newman hier forderte und in seinen völlig abstrakten Zip-paintings zusprach, gilt auch in gewisser Weise für die Werke Being I-III. Schönheit und das Sublime gelten als einzige Parameter für eine Kunstproduktion, die sich nicht mehr dem antiken Formenfetisch und dessen mimetischer Trends zu unterwerfen hat, sondern aus sich selbst existieren und damit keiner allgemeingültigen Formen- und Zeichensprache mehr bedürfen. Es entstehen abstrakte Allegorien der Vielfalt an Möglichkeiten und Komplexität von Leben. Wahrnehmung und Erkenntnis in der reinsten Form. ![]() ![]() ![]() Der Einbruch der abstrakten rechteckigen Form in die unbelebten gegenständlichen Landschaften von Die erhabene Pforte I-XIII ist in seiner Monumentalität und Linearität der radikale Gegenentwurf zur belebten Natur der Umgebung, wie sie uns vertraut ist. Aber gerade in diesem maximalen Kontrast eröffnet sich ein Ereignishorizont, der den Blick auf das Unbekannte unseres Daseins innerhalb der Natur richtet und weitaus größer und mächtiger ist als alles Vertraute. Wir stehen an der Schwelle dieser Pforte – durchqueren kann sie jeder nur alleine. Es beginnt eine Reise an die Grenzen unserer Vorstellung von den sein-konstituierenden Entitäten UNSERER abstrakten Existenz. Keine Fiktion. Kein Traum oder Trip. Sondern die fundamentalste Frage nach dem: Was ist? Cognition I (2006) & Cognition II (2009) ![]() ![]() Die Welt betrachtet sich fortan mit eignen Augen – Ist für einen kurzen Moment in all ihrer abgründigen Tiefe Erahnbar geworden[4] Cognition I & II sind ein Tor zu der tatsächlich existierenden Welt, die jenseits der Metaphern liegt, derer wir uns bedienen, die unsere rein 'kognitiv' konstruierte Lebenswelt definieren. An der Grenze des Erkenntnishorizonts, der psychischen Belastbarkeit und des materiellen Scheins – einer Art kosmischen Zensors. ![]() Aus Metaphern ist die Welt erbaut. Das Auge speist den Fluss Der kognitiven Elektronenströme Aus Bildern, Illusionen und Träumen[5] ![]() ![]() ![]() Und es folgen Konventionen In Form von Zeichen, Sprache und Moral. Doch das vermeintliche Glück Der trügerischen Erkenntnis Weicht einer trüben und unbequemen Vorahnung von dem was ist. Den verheißungsvollen Ideen eines lokalen Realismus Oder universalen Determinismus Hat die Natur mit ihrem letztlich abstrakten Wesen Den Gar aus gemacht.[6] ![]() Higher State of Death entstammt der Serie der Textbilder (2006-2009), die Aphorismen von Philosphen wie Novalis oder Nietzsche mit Fotografien zu einem neuen Bildsystem verschränken. Hinter dieser Vorgehensweise steht die Analyse was 'Text' eigentlich ist: Geschriebene Worte oder Text werden grundsätzlich als Bilder wahrgenommen. Lesen beginnt demnach mit dem Sehen eines Bildes und nicht eines Wortes. Das physiologische Wunder des Auges, das Fenster zur Welt, ist im Prinzip ein Hochleistungsscanner, der in Sekundenbruchteilen aus dem undechiffrierbaren Chaos der Photonen relle Abbilder auf die dahinter liegende Retina wirft, wo Lichtenergie in elektrische Potentiale umgewandelt und als Bild an das Gehirn weitergeleitet wird. Text und Bild sind in diesem Stadium eins. In einem zweiten bis heute nicht verstandenen Schritt wird das Bild von dem wohl komplexesten Gebilde im Universum – dem Gehirn – in die Allgemeinsprache der bedeutungtragenden Symbole dekodiert. Die Information „Text“ entsteht erst im Gehirn, als Folge von 'extrem komplexen' neuronalen Vorgängen, wie der amerikanische Neurobiologe und Nobelpreisträger David H. Hubel konstatierte: Wir sind weit davon entfernt, die Wahrnehmung von Objekten, selbst von so einfachen wie Kreisen, Dreiecken oder dem Buchstaben A, zu verstehen - ja, wir vermögen nicht einmal plausible Hypothesen darüber aufzustellen.[7] [1] Der Begriff "Satori" steht im japanischen Zen-Buddhismus für das Erlebnis der Erleuchtung. [2] Vgl. Hans Blumenberg, "Licht als Metapher der Wahrheit - Im Vorfeld der philosophischen Begriffsbildung" (1957), in: Ästhetische und metaphorologische Schriften, Frankfurt/Main 2006. [3] Barnett Newman, "The Sublime is Now", in: Tiger´s Eye, 15. Dezember 1948, S.53. [4] Mario Klinger, "Satori Room", München 2009, zweite Strophe des ersten Aphorismus Unendliches Morgengrauen. [5] Mario Klinger, "Satori Room", München 2009, erste Strophe des zweiten Aphorismus Sein. [6] Mario Klinger, "Satori Room", München 2009, zweite Strophe des zweiten Aphorismus Sein. [7] David Hubel, "Auge und Gehirn: Neurobiologie des Sehens", Heidelberg 1995, S. 228.
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() METAPHERN, ALLEGORIEN, APHORISMEN UND SYMBOLE UNSERE LEBENSWELT IM 21. JAHRHUNDERT Der Mensch hat sich in den vergangenen Jahrtausenden die Welt durch technologische Hilfsmittel und deren ideologischen Die Werkauswahl in dieser Ausstellung trägt diesem Umstand Rechnung, indem sie ikonische Bilder kritisch aus einem Die umfangreiche Serie der Textbilder lässt das über 200 Jahre alte Weltbild Novalis mit der Gegenwart in eine sich selbst Die verwendeten Aphorismen bilden die sprachliche Sphäre der menschlichen Selbstreflektion und kreisen um existentielle Geschriebene Worte oder Text werden grundsätzlich als Bilder wahrgenommen. Lesen beginnt demnach mit dem Sehen In einem zweiten bis heute nicht verstandenen Schritt wird das Bild von dem wohl komplexesten Gebilde im Universum Bild und Text werden als scheinbar unabhängige Informationssysteme aufgrund konditionierter Erinnerungen, jenen Sind sie [die Worte] vielleicht Erzeugnisse der Erkenntnis des Wahrheitssinnes und decken sich die Bezeichnungen und die Dinge? Jetzt wird nämlich das fixiert, was von nun an »Wahrheit« sein soll, das heißt, es wird eine gleichmäßig gültige und verbindliche Was also ist demnach Wahrheit im erkenntnistheoretischen Sinn? Es sind des Menschens Illusionen aus sprachlichen Relationen, Photonen und Schallwellen bilden die Informationsspeicher, über die unsere Kommunikation stattfindet. Sie werden nach einer Diese Ausstellung findet ihren Klimax in den mit Text verwobenen und verfremdeten digitalen Fotografien, indem sie eine Die Relativierung der Quelle, eigene Fotografien oder Vorlagen aus anderen Medien, vergegenwärtigt uns die Gleichschaltung Bereits Paul Klee, vor allem in seinem späten malerischen Werk nach 1933, hatte durch ein komplexes System aus Zeichen und Text und Bild in den Werken dieser Ausstellung müssen – zum ersten Mal in der Geschichte der Fotografie und der bildenden Die vordergründig harmlose Ästhetik der Blütenbilder steht in subversivem Zusammenhang mit ihrer Künstlichkeit. Die monotone Der Mensch (als sichtbares Objekt) fehlt in allen Werken und tritt nur als platonisches Schattenwesen („Plato“) in Erscheinung, Die Werke der Ausstellung sind in einer aphoristisch-metaphorischen Bildsprache entworfen, welche das menschliche Wesen in 1 David Hubel, Auge und Gehirn : Neurobiologie des Sehens. Heidelberg 1995, S. 228 Vita 2000-2005 Hochschulstudium in Kunstgeschichte, Physik und Romanische Rechtsgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Study of Art History, Physics and Roman Lawhistory at the Ludwig-Maximilians University Munich 2005 Magister in Kunstgeschichte mit einer Arbeit über „Den Einfluss der Physik in Picasso’s früher Kubismus-Konzeption“ Magister of Art with a thesis about „The influence of physics at Picasso’s early conception of cubism. 2008 Dissertation zum Dr. phil. der Kunstgeschichte über Photogramme von Adam Fuss Doctor phil. in Art History with a thesis about Photograms of Adam Fuss SATORI ROOMS, mbf-kunstprojekte, München Harmonie und Verunsicherung, Kunstverein Uelzen mit Sonja Steidle SATORI ROOMS, Buchpräsenation, mbf-kunstprojekte, München mbf-kunstprojekte, Switch On, Kunstpreis Licht, Kunstverein Gräfelfing Kunst Halle, Große Kunstausstellung 2009 Halle (Saale) Art and Physics, Kunstverein Meerane, May 13th - July 12th First Prize Award "Artist of the Year 2007", Sophist Group (GER) Private Viewing – Ausgewählte Werke von 2005-2006, München Antik & Kunstmesse Düsseldorf Kunsthandel Metz de Benito, München Kunstmesse Köln 74. Kunst & Antiquitäten München, München 75. Kunst & Antiquitäten München, München 25th Line Art, Physikalisches Institut der Ludwig-Maximilians-Universität, München Kunstmesse Köln 73. Kunst & Antiquitäten München, München
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