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Marina Schulze Unterhalb der Arbeiten finden Sie Lebenslauf, Ausstellungsverzeichnis und einen Artikel über die Arbeiten von Marina Schulze von Rainer B. Schossig. Zur Malerei von Marina Schulze von Rainer B. Schossig Wer über die Bilder von Marina Schulze spricht, darf von der Haut nicht schweigen. Reden wir also zunächst über die Haut: Wir wollen gern alles hautnah erleben. Erst dann geht uns etwas wirklich unter die Haut. Wenn wir uns engagieren, tun wir etwas mit Haut und Haaren. Kleider machen zwar Leute, aber wer hochstapelt, der ist keine ehrliche Haut. Die Haut behütet und hält uns zusammen, sie trennt uns von der Welt und verbindet uns zugleich mit ihr. Alles was wir tun und sind, wird zunächst über sie kommuniziert, unser Inneres zum Ausdruck gebracht. Und alles was von außen auf uns zukommt, wird durch die Haut gefiltert, uns spürbar gemacht. Die Haut ist Ausdrucksfeld und Projektionsschirm zugleich. Was uns nahe, „ans Leder“ geht, ist peinlich. Häutungen sind Läuterungen, decken etwas von unserem Inneren auf. Beim Schälen der Zwiebel kann es zu schmerzhaften Entblößungen kommen, wie jüngst erst der deutsche Literatur-Nobelpreisträger spüren musste. Zu allererst und am schnellsten spüren wir den von außen zugefügten Schmerz dort, wo unsere Haut mit den Ursachen in Berührung kommt. Andererseits ist es die Haut, die uns empfinden lässt, wo wir sind, wer wir sind, die Berührungen rührt uns erregt uns, die Haut macht uns Menschen empfänglich für Zärtlichkeit und lässt und Lust verspüren. Haut verspricht Nähe, wir lassen sie zu, wenn wir es wollen. Das nennt man Wollust. Früher, als Kind, dachte ich übrigens, das habe mit Wolle zu tun, die so weich ist. Haut ist also nicht nur etwas höchst sensibles, sondern auch etwas ausgesprochen ambivalentes, Haut markiert immer Grenze, Abgrenzungs- und Verschmelzungs-Wünsche. Haut ist verräterisch: Sie verrät Lust oder Unlust, Krankheit oder Gesundheit, Leben oder Tod. Sie leuchtet fröhlich, wenn es uns gut geht, sie wird matt, ja wachsbleich, wenn es uns schlecht geht. Haut ist ein menschliches Signal. Und so waren die Maler natürlich seit jeher auf die Botschaften der Haut angewiesen, um menschliche Befindlichkeiten, Stimmungen, Gefährdungen, Krankheit und Gesundheit, Tugend und Verworfenheit ins Bild zu bringen. In der Kunst bezeichnet man den Farbton der menschlichen Haut als das „Inkarnat“. Das bedeutet: Das ins Fleisch Gesetzte, es hängt mit der göttlichen Fleischwerdung zusammen. Nichts ist von den Malern intensiver studiert worden als die menschliche Haut: Vor allem natürlich die des Gesichts, aber auch der Hände und Füße. An den Frauen hat schon immer die Farbe des Busens den Pinsel der Männer bewegt. Und schließlich – mit Erfindung des Aktbildnisses – wird alle Haut, die ein Mensch aufzubieten hat, zu Markte der Malerei getragen. Seither entschied die Virtuosität in der Darstellung des Inkarnats an erster Stelle darüber, ob der Betreffende ein erst- oder zweitklassiger Meister sei. Die junge aus Delmenhorst gebürtige und in Bremen ausgebildete Malerin Marina Schulze widmet sich schon seit geraumer Zeit dem malerischen Kontinent der Haut, und den vielen anderen Phänomen der Kleidung und Verkleidung, des Verhüllens und Enthüllens von Haut, hinzukommen eine Reihe verwandter Phänomenen des Oberflächlichen. Wobei dies nicht zu verwechseln ist mit Oberflächlichkeit. Wer sich wie Marina Schulze auf die Wirklichkeit der Erscheinungen zu bewegt, wer sich für Oberflächen-Struktur, Oberflächen-Reize oder Oberflächenbedeutung interessiert, muss fleißig studieren, darf eben gerade nicht oberflächlich sein. Marina Schulze ist Meisterschülerin der in Bremen lehrenden Malerin Karin Kneffel, und bei der hat sie aufs vorzüglichste lernen können, wie man malend mit Oberflächen umgeht, sie einbezieht ins malerische Kalkül. Ihre Malerei ist im besten Sinne Oberflächenmalerei: Das heißt sie lebt aus und von den Reizen der Fläche. Einer gut gemalten Oberfläche ist immer anzusehen, was darunter ist. Marina Schulze gibt dem Auge genau dieses Futter des Sehens: Welche Freude z.B. einen rosa Luftballon dabei zu beobachten, wie er immer praller aufgeblasen wird, dabei seine Oberfläche zusehends vergrößert, zugleich fester und verletzbarer, praller und durchsichtiger wird. Wie das Latexmaterial sich um das Nichts der im Ballon komprimierten Luft spannt, wie die reine Hülle der Blase zum Symbol der Aufgeblasenheit wird. Wie zugleich auch Assoziationen zum menschlichen Inkarnat sich einstellen. Da spielt Marina Schulze ein virtuoses Spiel mit unserem Vorwissen und unseren Vor-Urteilen, nicht zuletzt auch mit unseren Anmutungen und Erinnerungen. So kann aus einem Stück gemalter Oberfläche ein Blick in die Kindheit werden, ein Anklang an zweideutige Scherzartikel oder alberne Partyspiele. Solche Nichteindeutigkeit, also weniger Zweideutigkeit, sondern besser Vieldeutigkeit ist von jeher ein Gegenstand der Kunst gewesen. Die Darstellung des gemarterten Schmerzensmanns, des mit Pfeilen durchbohrten Heiligen Sebastians benützen immer die Ambivalenz der Haut als Mittel der Dramatisierung des Geschehens. Biblische Gestalten wie Lazarus oder Hiob waren mit Hautkrankheiten, Ausschlag, Geschwüren geschlagen, durchlöchert... Gerade angesichts solcher Desintegration fühlt der Betrachter umso mehr mit ihnen. Die Veränderung oder Verformung, Zerrung oder Quetschung von Haut betrifft uns vital, löst eine unangenehme Art von Phantomschmerz beim Sehen aus. In unserer säkularisierten Zivilisation ist es ja oft der Modegott, dem geopfert wird, und der seine Opfer fordert. Mit den bedauernswertesten Verengungen durch Schuh- und Strumpf-Moden ist jeder schon irgendwann konfrontiert, in Mitleidenschaft gezogen worden. Gerade die modernen Stretch-Stoffe leisten hier Gewaltiges bzw. Erschreckendes. Großmaschige „Plaste und Elaste“ können ganze Gliedmaßen gewissermaßen zu Rollbraten machen. Wo Haut zusätzlich noch durch Sonnenbank und Sonnenbrand ungut gerötet, aufgedunsen oder abgeschnürt ist, kennt unser Mitleiden kaum Grenzen – ausgenommen Unverständnis, Abscheu oder gar Ekel gewinnen die Oberhand. Schenkel und Waden als Hauptleidtragende von Mode- oder Kleidungs-Torheiten interessieren die Malerin besonders. Die gequälte Kreatur, die jedoch ihr Unglück meist selbst verschuldet, wird zur Trägerin brutaler Verletzungen, die zugleich auch schaurig-schöne Dekors sind, die menschliche Haut wird zum Schauplatz von beunruhigenden Ornamenten des Leidens. Fluoreszierende Strumpfhosen und gigantische Laufmaschen machen darauf aufmerksam, wie künstlich und verletzlich das Oberflächengleichgewicht in Sache Bein-Mode ist. Allenfalls versöhnlich. Der Blick auf stramme Radler-Waden, die uns allerdings in Zeiten grassierenden Blut-Dopings auch nicht so recht gefallen wollen. Gewisse Haut-Diagnosen von Marina Schulze geraten dann schon ins Umfeld Abbildungen aus Anatomie und Pathologie. Natürlich spielt sie in ihren hoch-ästhetisch angelegten Oberflächen-Studien mit solchen Gefühlen und Anwandlungen, wie sie ja heute von B-Moovies in Film und Fernsehen, Horror-Bildern in Illustrierten massenhaft angeboten werden. Gruseln und Faszination halten sich die Waage angesichts verstörender entzündlicher Dermatose-Zustände; für Marina Schulze sind sie gleichsam das Schöne als Anfang des Schrecklichen, das wir gerade noch ertragen können. Nicht nur Haut trennt und verbindet. Auch alle möglichen Oberflächen tun dies auf ihre Weise. Wir leben im Zeitalter der Benutzer-Oberflächen, der Verkleidungen, Kaschierungen und Verblendungen. Ganze Handwerksbranchen leben vom Vorspiegeln falscher Tatsachen. Potemkinsche Täuschungen haben Konjunktur. Sei es aus Gründen der Verschönerung oder der Wärmedämmung werden Original-Fassaden mit Sekundär-Werkstoffen bedeckt, hinter Kunststoffen versteckt, rohe Wände mit Tapeten veredelt. Besondern ambivalent, ja hoffnungslos-widersprüchlich: Die berühmte Raufasertapete! Seit Jahrzehnten raut sie Glattes auf und glättet Raues zugleich. Eine billige Haut für Schöneres Wohnen. Marina Schulze hat sich Raufasertapete einmal genauer angesehen, ganz aus der Nähe, mit überraschenden Ergebnissen. Ihre Portraits von Raufaserwänden erscheinen im Bild wie Oberflächen arktischer Kontinente, wie Aufnahmen von fremden Planeten oder Blicke durchs Elektronen-Mikroskop. Was uns wohnlich glatt erscheint, ist plötzlich rau, kalt und unwirtlich. Ein merkwürdig paradoxes Spiel treibt Marina Schulze auch mit einem anderen Oberflächen-Phänomen: Dem der Oberflächenspannung. Wer je für eine schnelle Soße Mehl in Wasser lösen wollte, weiß um die Schwierigkeiten des Verbindens von Pulver und Flüssigkeit. Auch moderne Produkte der Genussmittelindustrie zeigen im Prozess des Verbindens eigenwillige Blasen- und Brocken-, Klumpen und Schlierenbildungen, deren Ursachen auf die Gesetze nur mikroskopisch wahrnehmbarer Oberflächenspannungs-Verhältnisse zurückzuführen ist. Wer Marina Schulzes Bilder studiert, sich womöglich zu eigen macht, bis an den Rand der Einverleibung, der erkennt, dass die Welt auch deutbar ist als ein spannendes Spiel von Häutungen und Enthäutungen, von Verkleidungen und sich dauernd wandelnden Oberflächen, von denen paradoxe Anziehungs- und Abstoßungskräfte ausgehen. Die ästhetischen Aspekte solchen Spiels ent-deckt zu haben, dieses Verdienst gebührt sicherlich dieser Künstlerin. Das Schöne an diesen Bildern ist: Sie wirken selbst immer auch als Spielfelder, in die wir uns mit dem Auge einmischen dürfen. Marina Schulze liefert diese Bilder niemals glatt, sondern immer wie scheinbar nebenher gemachte Protokolle von kleinen Weltabschnitten oder Kultur-Ausschnitten. Sie scheint zu wissen, wie gefährlich die Virtuosität sein kann: In der griechischen Sage lässt Apoll dem armen Flöten-Virtuosen Marsyas zur Strafe die Haut abziehen, weil dieser im Wettstreit mit dem Gott zu schön spielte. Man sagt, Marsyas verlor seine Haut für seine Hybris, seine Selbstüberschätzung, weil er allzu stolz auf seine Kunst war, sich mit dem Gott persönlich anlegte. Weil seine Lust nach Anerkennung maßlos war. Weil das Machen von Kunst letztlich etwas Göttliches, den Göttern Vorbehaltenes sei. Der alte Cézanne hatte dies sehr wohl verstanden, als er über sein Metier sagte: „Wenn der Künstler es wagt, der Erbärmliche, sich willentlich einzumischen in den Übersetzungs¬vorgang (der Malerei), dann bringt er nur seine Bedeutungslosigkeit hinein, das Werk wird minderwertig.“ Paul Cézanne war überzeugt, dass der Maler sein Handwerk lernen, benutzen und perfektio¬nieren solle, aber – so schränkte er ein: „ein demütiges Handwerk, das gehorcht und bereit ist, unbewusst, zu übertragen.“ Vita 1973 geboren in Delmenhorst born in Delmenhorst, Germany 1996-98 Studium der Freien Kunst an der FH Ottersberg Fine Art course College Ottersberg, 1999-04 Studium an der Hochschule für Künste in Bremen bei Karin Kneffel, Katharina Grosse und Stefan Kürten Fine Art, painting course at University of the Arts Bremen class of Prof. Karin Kneffel, Katharina Grosse and Stefan Kürten 2001 1. Preis “Nordwestkunst 2001” Kunsthalle Wilhelmshaven First prize „Nordwestkunst 2001“ Kunsthalle Wilhelmshaven 2001-05 Stipendium vom Cusanuswerk Scholarship from the Cusanuswerk, 2003 Studienaufenthalt in Fine Art course 2004-05 Meisterschülerin bei Karin Kneffel Master class pupil of Prof. Karin Kneffel 2004-05 Wohn und Arbeitsstipendium der Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode Artist in residence, Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode 2006 Arbeitsaufenthalt in New York, USA Artist in residence in New York 2006 Residenz Stipendium Berlin, Senator für Kultur, Bremen Artist in residence in 2007 DAAD Reisestipendium für Graduierte in Island DAAD Scholarship for travelling in Gastatelier, SIM Künstlerverbandes, Korpulfstadir, Reykjavik, Island Artist in residence, SIM association, Korpulfstadir, Reykjavik, Island Sieh es doch mal so, Foyer am Langenweg, Oldenburg Kunst im TZI, mit Christian Meyer, Universität Bremen 2006 Gute Waden. Cuxhavener Kunstverein (K) corpus delicti, mit Marikke Heinz-Hoek, Psychoanalytisches Institut, Bremen Two-gether 6, mit Norbert Bauer, Bremer Landesvertretung in Brüssel, Belgien 2005 Unter der Oberfläche, Künstlerstätte Stuhr Heiligenrode (K) 2004 Pass, Galerie HfK Bremen mit Christian Helwing Musterhaut, BIK Galerie 149, Bremerhaven 2003 Dort triffst Du mich / Hittù mid par, mit Claudia Christoffel, Galerie Nema Hwad, Reykjavik, Island 2002 Blattanbeter, galeriefürzeitgenössischekunst Hamburg 2000 Ausschnitte, Galerie Herold Bremen 2007 30. Förderpreis, Städtische Galerie im Buntentor, Bremen Korpulfstadir, big hall, Reykjavik, Island 2006 Lieber Friedrich, Kasseler Kunstverein (K) Neues aus Niedersächsischen Ateliers, Salon Salder Salzgitter (K) Kunst aus Bremen in Worpswede, Sammlung Heinz Dodenhof, Roselius Museum, Worpswede Art Gut II, Galerie N, Nienburg Gesichtet, Städtische Galerie im Buntentor (K) 2005 Die Abwesenheit der brennenden Pudel, Städtische Galerie Bremen (K) Brepark Parkhäuser Bremen Förderpreis 2004, Städtische Galerie, Bremen Position und Poesie, Galerie Cornelius Hertz, Bremen Am Ende Kunst, Liebfrauenkirche und Dom Bremen2004 Panorama, 82. Herbstausstellung Kunstverein Hannover (K) Rituale der Gesundheit, Galerie im Park Bremen Die Toteninsel, Galerie der Hfk Bremen 10. Jahre Galerie Herold Bremen Konzerthaus Glocke Bremen profile intermedia 7, Messehallen Bremen 2003 Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus, Bundeskunsthalle Bonn (K) .. und schauen Sie in die Schubkästen, Kunstverein Lingen (K) vorsicht, absicht, ansicht, Senator für Bildung und Wissenschaft Bremen Alles Lüge, Galerie Herold Bremen Förderpreis 2002, Städtische Galerie Bremen Pflanzenstücke, Galerie beim steinernem Kreuz Bremen Kunst des Forschens” Galerie der HfK Bremen Bremen–Bastheim, Galerie Altes Schulhaus Bastheim-Rödles 2002 Kunsthalle Wilhelmshaven mit Christine Schulz und Diego Castro (K) Klasse, Kunsthalle Bremerhaven (K) Galerie der Sparkasse Esslingen Förderpreis 2001, Städtische Galerie Bremen Träum davon, Ex Ex Galerie, St. Gallen Schweiz 2001 Nordwestkunst, Kunsthalle Wilhelmshaven Pasinger Fabrik München Alpirsbacher Galerie Der erste Blick, VHS Kulturspeicher Oldenburg Tri Top, Städtische Galerie Bremen (K) 1999 Junger Westen 99, Kunsthalle Recklinghausen (K) Große Kunstschau Worpswede Schenkung Heinz Dodenhof Kreissparkasse Syke Brepark Parkhaus Mitte, Bremen Korpulfstadir, big hall: painted pillar,
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